11.01.2016

Pflege – härter als Arbeit am Bau

Der dritte länderübergreifende Gesundheitsbericht Berlin-Brandenburg im Auftrag des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg - Health Capital zeigt, dass die Arbeitsplätze in der Pflege zu den ungesündesten überhaupt gehören. Der Krankenstand ist hier noch höher als im Baugewerbe.

Arbeitnehmer in der Pflege und anderen Gesundheitsberufen in der Region Berlin-Brandenburg waren 2013 überdurchschnittlich häufig arbeitsunfähig. "Es ist eine traurige Botschaft, dass gerade die Menschen, die uns gesund machen sollen, selbst sehr krank sind", sagte Dr. Kai Uwe Bindseil von Health Capital bei der Präsentation des Reports in Berlin. Demnach lag der Krankenstand im Gesundheits- und Sozialwesen in Berlin bei 5,6 Prozent und bei 5,8 Prozent in Brandenburg. Der durchschnittliche Krankenstand in den beiden Bundesländern belief sich dagegen auf fünf Prozent oder 18,3 Fehltage je Arbeitnehmer. In Berlin-Brandenburg spielt der Sektor eine wichtige Rolle, mehr als jeder zehnte GKV-versicherte Arbeitnehmer ist hier beschäftigt. Bindseil sagte, man müsse angesichts des Ergebnisses über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen nachdenken. Laut dem Bericht zeichnet sich das Sozial- und Gesundheitswesen durch besonders hohe Werte bei Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen aus. Eine effektive Gesundheitsförderung müsse dies im Blick haben, heißt es im Bericht. "Maßnahmen zur Vorbeugung gegen arbeitsbedingten Stress sind auch geeignet, das gesundheits- und sicherheitsrelevante Arbeitsverhalten der Beschäftigten positiv zu beeinflussen."


Der vom Berliner IGES-Institut erstellte dritte Gesundheitsbericht Berlin-Brandenburg basiert auf den Daten gesetzlicher Krankenkassen und Unfall- und Rentenversicherungen. Erfasst werden 1,6 Millionen Arbeitnehmer oder 80 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten GKV-Versicherten in der Region. Der Bericht dokumentiert den Krankenstand nach ursächlichen Krankheiten sowie Branchen, Geschlecht und Alter für die Jahre 2012 und 2013. Er zeigt, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen über die Branchen hinweg für die meisten Fehltage verantwortlich waren, nämlich für rund ein Viertel. (tau)

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